Interview mit Nora Lahmann
Im Interview mit der MGN stellt Fachreferentin Nora Lahmann (Landvolk und Milchland Niedersachsen) die Klimaplattform Milch vor – ein digitales Tool, das Milchkuhbetrieben und Molkereien hilft, den CO₂-Fußabdruck ihrer Produktion einheitlich und nachvollziehbar mittels einer Treibhausgasbilanzierung erfasst. Das System basiert auf dem bundesweiten Berechnungsstandard einzelbetrieblicher Klimabilanzierungen (BEK) 2025. Dieser wurde unter anderem von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern (LfL) und der Landwirtschaftskammer NRW mitentwickelt. Die Plattform ist einfach in der Anwendung, bietet Anschluss an internationale Standards und dient als Grundlage für gezielte Weiterentwicklungen– auf dem Hof und in der Kommunikation und entlang der Lieferkette. Wie lassen sich Klimadaten in der Milchbranche sinnvoll erfassen – und wie kann eine ganze Branche damit ein Zeichen setzen? Nora Lahmann, Nachhaltigkeitsexpertin bei der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, erklärt, warum die Klimaplattform Milch ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz, Zukunftsfähigkeit und Branchenkommunikation ist.
- Was war der Auslöser für die Entwicklung dieses Tools?
„Klimaschutz ist längst auch in der Lebensmittelbranche ein zentrales Thema – und Molkereien stehen vor der Herausforderung, verlässliche Informationen über den CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte vorzulegen. Besonders internationale Handelsunternehmen und große Kunden fordern messbare, transparente Daten. Was bislang fehlte, war ein praxisnahes, einheitliches Tool, mit dem sich diese Daten auf Erzeugerebene erheben und auswerten lassen. Mit der Klimaplattform Milch haben wir in Niedersachsen gemeinsam mit Partnern genau dafür eine Lösung entwickelt – einfach anwendbar, wissenschaftlich fundiert und anschlussfähig an internationale Standards. Finanziert wird das Vorhaben über die Fokus Milch GmbH.“
- Welches Signal sendet dieses Engagement an den Handel und was bedeutet es für die beteiligten Molkereien?
„Zehn Molkereien haben sich mittlerweile der Plattform angeschlossen und zeigen deutlich: Wir übernehmen Verantwortung – und wir tun das gemeinsam und lösungsorientiert. Wir nutzen jetzt eine vereinheitlichte Grundlage und sprechen mit einer Stimme. Für den Handel ist das ein starkes Signal: Die Branche liefert vergleichbare, überprüfbare Klimadaten, die den Anforderungen des Marktes entsprechen. Für die Molkereien bedeutet das nicht nur mehr Transparenz, sondern auch bessere Kommunikations- und Verhandlungsmöglichkeiten mit ihren Kundinnen und Kunden.“
- Wie hilft die Plattform dabei, den Einsatz der Milchbranche für den Klimaschutz gegenüber der Öffentlichkeit sichtbar zu machen?
„Die Klimaplattform zeigt, wie ernst die Branche das Thema nimmt. Mit Hilfe der Datenerhebung auf den Milchbetrieben ermöglicht sie es, die CO2-Emissionen auf der Erzeugungsebene sichtbar zu machen und die Fortschritte auch zu belegen. Genau dieses Vorgehen stärkt das Vertrauen in die Branche– sowohl beim Handel als auch bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Und genau darin liegt der kommunikative Wert. Die Plattform ist ein Werkzeug für glaubwürdige, faktenbasierte Kommunikation – und damit ein wichtiger Baustein für das Image der Milch.“