Interview mit Josephine Hardt
Anfang September befanden sich auch in Niedersachsen die meisten Bio-Kartoffelbetriebe in der Haupternte und rodeten die Knollen für die auf vielen Höfen vorhandenen Kühllagerhäuser. Mit der diesjährigen Anbauflächenreduzierung von bundesweit gut zehn Prozent (Daten auf Grundlage der BKE-Flächenerhebung 2026) reagierten die Landwirte und Landwirtinnen auf die herausfordernde Vorjahressaison, die von Rekorderträgen und Flächenausdehnungen geprägt war und die Vermarktung vor enorme Herausforderungen stellte.
1. Frau Hardt, welche Auswirkungen hatten insbesondere der überaus trockene und heiße Frühsommer auf die Ernte von Bio-Kartoffeln?
„Die Erzeugerpreise stellten sich damals entsprechend desaströs dar und belasteten die finanzielle Situation vieler Höfe erheblich. Das neue Bio-Kartoffeljahr steht nun unter ganz anderen Vorzeichen, denn Hitze und Trockenheit haben sich regional deutlich auf das Ertragspotenzial der Bestände ausgewirkt. Die Frühkartoffeln konnten seit Anfang Juni erfolgreich vermarktet werden, die Absätze für Bio-Speisekartoffeln im Lebensmitteleinzelhandel waren durchaus zufriedenstellend, trotz Hitze und Ferienzeit. Mit Beginn des neuen Schuljahres kehrten viele Familien in ihren Alltag zurück, erfahrungsgemäß entwickeln sich die Verkaufszahlen dann wieder dynamischer.“
2. Wie wirkt sich die mögliche Flächenberegnung speziell in Niedersachsen aus?
„In Niedersachsen ist der Großteil der Anbauflächen beregnungsfähig. Gerade in einem Jahr wie diesem, in dem vor allem Hitze und Trockenheit den Kartoffelbeständen deutlich zusetzten, war das ein entscheidender Vorteil gegenüber zum Beispiel den Betrieben in Süd- und Südwestdeutschland. Hier streuen die Ertragserwartungen der Kartoffelbetriebe stark zwischen beregneten und nicht beregneten Flächen.“
3. Welche Faktoren könnten möglicherweise Menge und Qualität der Ernte beeinflussen?
„Auf vielen Betrieben in Niedersachsen geht man momentan von einer durchschnittlichen Ernte aus. Allerdings kann ein abschließendes Urteil erst gefällt werden, wenn die Ware komplett gerodet und eingelagert ist und belastbare Zahlen aus der Erntemengenerhebung des BKE vorliegen. Auch die Warenqualität kann dann innerhalb der nächsten Wochen immer besser eingeschätzt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht man allerdings, dass die Nettoausbeuten auf vielen Standorten vom Drahtwurmfraß minimiert wurden und die Knollen in den meisten Fällen zwar in der packfähigen Sortierung liegen, aber tendenziell eben doch kleinfallend sind.“